
| Autor | Autor
Wolfgang Tornow wurde 1966 in Hamburg geboren. Sein Vater starb 1969 bei einem Unfall. Im Alter von 17 Jahren verlor er auch seine Mutter. Seine Jugend war von starkem Engagement in der Evangelischen Kirche geprägt, bis er 1996 austrat. Er bezeichnet sich heute als Atheist. Von 1986 bis 1991 studierte er Theologie, Pädagogik und Psychologie an der Universität Hamburg. Beruflich war er zunächst als EDV-Berater tätig, heute arbeitet er im Technischen Support eines namhaften Telekommunikationsunternehmens. Wolfgang Tornow schreibt seit er 16 Jahre alt ist. Sein erstes Buch stellte er 1996 fertig „... und Dein Drache redet wieder“ (nicht mehr erhältlich). 2005 veröffentlichte er nach mehr als 200 Interviews mit Arbeitslosen und Hartz IV-Empfängern den gesellschaftskritischen satirischen Roman „SEI HARTz Das Märchen von der Arbeitslosigkeit“. Anschließend absolvierte er mehr als 40 multimediale satirische Lesungen in ganz Norddeutschland vor insgesamt 1.500 Hörern. Unter anderem in renommierten Häusern wie den Hamburger Kammerspielen. Im Herbst 2007 erscheint das Hörbuch. Momentan arbeitet Wolfgang Tornow an einem neuen satirischen Roman zum Thema Fußball.
Kurz-Biografie 1966 geboren in Hamburg
SEI HARTz-Das Märchen von der Arbeitslosigkeit SEI HARTz-Das Märchen von der Arbeitslosigkeit Instantschwänze Moschuslover Fastfoodsperma
Im Interview mit art-highway, Juni 2007: Der Autor Wolfgang Tornow erhielt zahlreiche positive Resonanzen und erzielte weit mehr als einen Achtungserfolg für seinen 2005 veröffentlichtem Roman „SEI HARTz Das Märchen von der Arbeitslosigkeit“. Der Veröffentlichung schloss sich eine Tournee an mit rund 40 multimedialen kabarettistischen Lesungen vor insgesamt 1.500 Hörern in ganz Norddeutschland. Darunter auch in bundesweit bekannten Institutionen wie den Hamburger Kammerspielen. „Das Buch hat sich zu einer kleinen Erfolgsgeschichte entwickelt“ (Hamburger Abendblatt, 11. Mai 2006). Dies ist insbesondere deshalb bemerkenswert, weil der Autor sein Buch „SEI HARTz“ bei BOD, also quasi im Eigenverlag veröffentlicht und es somit schwer hatte, sich am Markt durchzusetzen. Inzwischen ist „SEI HARTz“ auch als Hörbuch erschienen. Momentan schreibt der 41-Jährige an einem neuen Roman zum Thema Fußball. art-highway: Herr Tornow, Ihr Erstlingswerk „SEI HARTz“ ist eine bitterböse Sozial-Satire. Ihr neuer Roman greift das Thema Fußball auf. Wenden sie sich jetzt bewusst einem trivialen Thema zu? Tornow: Nein, natürlich nicht. Denn wer mit Hartz IV sein Leben fristen muss, ist natürlich gleichzeitig alkoholabhängig, Kettenraucher und Fußball-Fan. Somit schließt der neue Roman nahtlos an „SEI HARTz“ an. art-highway: Demnach wird es sich wieder um eine Satire handeln? Tornow: Ja. Ein satirisches Fußball-Märchen mit weltraumhafter Handlung. Aber mehr möchte ich dazu momentan nicht sagen, da ich mich noch mitten im Schreibprozess befinde. art-highway: Von einigen Kritikern wurden Sie für ihren einfachen Sprachstil kritisiert. Wie stehen sie dazu? Tornow: Ich lege Wert auf eine einfache Sprache. Meine Texte sollen eingängig und einfach zu verstehen sein. In „SEI HARTz“ wurden die Themen Arbeitslosigkeit, Hoffnungslosigkeit, Wut und Selbstabwertung mundgerecht serviert. Das war mir äußerst wichtig. Mir liegt nichts daran, besonders blumig oder kompliziert zu schreiben. Die Literatur hat für den Menschen da zu sein, nicht der Mensch für die Literatur. Genauso wie die Gesellschaft für den Menschen dazu sein hat und nicht der Mensch für die Gesellschaft. Insofern kann ich mit der Kritik gut leben.
Tornow: Das neue Buch wird definitiv nicht im Eigenverlag erscheinen. Das steht im Gegensatz zu „SEI HARTz“ schon jetzt fest. Seinerzeit waren zwar einige Verlage an „SEI HARTz“ interessiert. Allerdings waren entweder die Konditionen miserabel oder der Veröffentlichungstermin stand in den Sternen. Deshalb habe ich das Buch im Eigenverlag veröffentlicht. Dies bringt bekanntlich Vor- und Nachteile mit sich. Definitiv aber mehr Nachteile. art-highway: Welche Nachteile ergaben sich für Sie aus der Eigenveröffentlichung? Tornow: Ich musste sehr viel Überzeugungsarbeit leisten, damit Kritiker das Buch überhaupt in die Hand genommen haben. Oft ist es in Deutschland leider immer noch so, dass ein Buch, welches per Book on Demand veröffentlicht wird sofort, auf dem Retour-Tisch landet und somit ungelesen bleibt. Das erschwert natürlich das Marketing. Auch die Tournee habe ich allein organisiert und durchgeführt. Parallel zu einem 40 bis 50 Stunden-Job in der Woche zehrt das auf die Dauer an den Kräften. art-highway: Sind Sie zufrieden mit dem Erfolg von „SEI HARTz“? Tornow: Ja, durchaus. Für mich war entscheidend, das Thema publik zu machen und literarisch zu verarbeiten. Die vielen Gespräche mit den Zuhörern vor und nach den Lesungen haben mich im Nachhinein nochmals bestärkt, dass es richtig war, das Buch auch im Alleingang herauszubringen. Insbesondere von Hartz IV Betroffene haben sich bei mir für die satirische, aber bewusst harte Darstellung des Themas bedankt. Oft hatten sie sogar Tränen in den Augen. Manche hätte ich am liebsten in den Arm genommen. Das ging mir manchmal ganz schön an die Nieren. art-highway: Wie waren die Reaktionen jener Hörer, die nicht arbeitslos waren? Tornow: Ebenfalls sehr positiv. Beispielsweise kaufte ein Mann mein Buch, um seinen von Hartz IV lebenden Sohn besser zu verstehen. Mein Ziel war es, Teile der Bevölkerung für das Thema zu sensibilisieren, die sich vorher noch nie mit den Thema Arbeitslosigkeit beschäftigt haben, weil sie noch nie davon betroffen waren. art-highway: Sie bezeichnen sich als gesellschaftskritischen Autor. Warum? Tornow: Ich sehe mich zugleich als Opfer und Täter und denke, meine Mitmenschen sind es auch. Allein diese Erkenntnis würde jedem einzelnen gut tun, um sich nicht pauschal als Gewinner oder Verlierer zu definieren. Wann hat man etwas Positives erreicht im Leben? Eine zentrale Frage. Ich bin immer gleichzeitig Täter und somit auch Opfer. Insofern ist der Mensch mit seiner liebenswerten Zerbrechlichkeit ein Thema mit dem ich mich vorrangig auseinandersetze. Das Gleiche gilt für den naiven gutgläubigen Menschen, der gerne gewillt ist, sich ausbeuten zu lassen. Darüber schreibe ich, das ist mein Anspruch. art-highway: Können Sie ihre Arbeit mit einem Satz beschreiben. Einen Schluss-Kommentar, bitte. Tornow: „Ich nehme den Menschen in den Arm und klage ihn zugleich an.“ art-highway: Danke für das Gespräch.
Autor - Presse - Veröffentlicht - Unveröffentlicht - Termine - Thema d.Monats Besuchen Sie auch: www.SEIHARTz.de
Copyright by Wolfgang Tornow, Hamburg 2007 |
Foto by Karsten Breckwoldt |